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2018 04/01

Streaming-Empfehlungen für Januar 2018

Tags: VoD-Tipps, Netflix, MUBI, Amazon Prime Video, Lars Dolkemeyer

Der Start in das neue Jahr fällt im Streaming eher ruhig, aber gewohnt gehaltvoll aus: Amazon präsentiert eine heiß erwartete Serie und zwei hervorragende Filme des vergangenen Jahres, bei Netflix lohnt sich der Blick in den Katalog und MUBI zeigt einen einzigartigen Dokumentarfilm.


(Bild aus Philip K. Dick’s Electric Dreams; Copyright: Amazon Prime Instant Video / Channel 4)

Amazon Prime Video

Philip K. Dick’s Electric Dreams

Philip K. Dick gehört zu den größten Science-Fiction-Autoren des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche seiner Erzählungen dienten bereits als Vorlage für Filme und Serien, darunter Klassiker wie Blade Runner (1982), Total Recall (1990) und Minority Report (2002) oder die seit 2015 erfolgreiche Amazon-Serie The Man in the High Castle. An diesen Erfolg möchte Amazon nun anknüpfen und präsentiert die neue Anthologie-Serie Philip K. Dick’s Electric Dreams. In zehn Episoden wird je auf Vorlage einer Kurzgeschichte eine abgeschlossene Handlung erzählt. Beachtenswert ist dabei vor allem der grandios besetzte, wechselnde Cast der verschiedenen Episoden: Timothy Spall, Steve Buscemi, Anna Paquin, Brian Cranston, Greg Kinnear, Vera Farmiga und zahlreiche weitere Darsteller*innen sind dabei, für die alleine sich der Blick auf die Episoden lohnen dürfte. Im Herbst wurden die ersten sechs Folgen bereits vom britischen Fernsehsender Channel 4 ausgestrahlt – ob die Serie insgesamt überzeugt, lässt sich ab dem 12. Januar sehen, wenn die erste Staffel bei Amazon Prime vollständig erscheint.

The Salesman

Bereits zum zweiten Mal wurde der iranische Regisseur Asghar Farhadi mit einem Oscar für den Besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet: Im Jahr 2010 für Nader und Simin (Jodaeiye Nader az Simin) und 2017 für The Salesman (Foruschande, 2016). Letzterer ist nun ab dem 15. Januar auch in der Flatrate von Amazon Prime verfügbar: Emad (Shahab Hosseini) und Rana (Taraneh Alidoosti) müssen ihre Wohnung in Teheran nach einem Erdbeben verlassen. Zum Glück bietet ein Freund, den Emad aus seiner Theatergruppe kennt, ihnen eine Unterkunft an. Als Rana alleine zu Hause ist, klingelt es an der Tür und ein Unbekannter kommt in die Wohnung. Offenbar handelt es sich um einen Freier der Vormieterin, einer Prostituierten, der von dem Mieterwechsel nichts weiß. Erst als Emad später nach Hause kommt, erfährt er, dass seine Frau vergewaltigt und mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht wurde. Es beginnt der verzweifelte Kampf um Gerechtigkeit und persönlichen Frieden. The Salesman ist ein überwältigend persönlicher Film über die Ohnmacht, über die gesellschaftlichen Umstände, die diese bedingen, und über den Riss, der schleichend das Leben eines jungen Paars zerstört. Die Gelegenheit, diesen Film zu sehen, sollte auf keinen Fall verpasst werden.


(Trailer zu The Salesman)

The Witch

Das Horrorkino hat in den vergangenen Jahren einigen frischen Wind bekommen. Zu den interessantesten Filmen gehört dabei Robert Eggers’ Kinodebüt The Witch (2015): Im 17. Jahrhundert muss William (Ralph Ineson) im gerade von britischen Einwanderern besiedelten Neuengland seine Dorfgemeinschaft verlassen und mit seiner Familie an den Rand des Waldes ziehen. Der streng religiöse Familienvater lässt sich in seinem Glauben weder von der Verstoßung noch von unerklärlichen Vorfällen beirren, die seine Familie heimsuchen. Selbst als Samuel, der jüngste Sohn der Familie, spurlos im Wald verschwindet und bei der Suche auch dem älteren Sohn Caleb (Harvey Scrimshaw) und seiner Schwester Thomasin (Anya Taylor-Joy) Schreckliches geschieht, rückt der Vater nicht von seinem Glauben ab. The Witch entwickelt seinen beeindruckend eigenen Horror aus der Verbindung eines verlorenen (Aber-)Glaubens mit den Schrecken, die innerhalb einer Familie aus Angst und Misstrauen entstehen. Keine der beiden Ebenen lässt sich dabei von der anderen trennen und The Witch leistet gerade in der auf das Wesentliche einer natürlichen Dunkelheit reduzierten Inszenierung einen ganz eigenen Beitrag zum gegenwärtigen Horrorkino. Ab dem 29. Januar ist der Film im Programm von Amazon Prime zu sehen.


(Trailer zu The Witch)

 

Netflix

Manhunt: Unabomber

In den 1980er und 1990er Jahren terrorisierte ein unbekannter Briefbomber die US-amerikanische Gesellschaft und erregte als Unabomber ein immenses öffentliches Interesse: Dutzende Menschen wurden verletzt und die aufwändigste Fahndung in der Geschichte des FBI war notwendig, um den Täter zu fassen. Entscheidend war dabei die linguistische Analyse eines Manifests des Täters, das von ihm an verschiedene Zeitungen geschickt wurde. Die Mini-Serie zeigt den Höhepunkt der langjährigen Suche nach dem mysteriösen Bomber (gespielt von Paul Bettany) und soll Auftakt für weitere Staffeln sein, die sich jeweils einem realen Kriminalfall widmen und diesen mehr oder weniger frei fiktionalisieren. Die erste Staffel, bestehend aus acht Episoden, lohnt sich dabei insbesondere wegen der beeindruckenden Leistungen der Hauptdarsteller Paul Bettany und Sam Worthington und beweist zudem, wie packend Sprache sein kann. Es bleibt abzuwarten, ob die kommenden Staffeln das hohe Niveau halten, bis dahin ist seit Dezember die erste Staffel im Katalog von Netflix verfügbar.

The Jungle Book

Das Dschungelbuch (1967) inspirierte als großer Disney-Klassiker im vergangenen Jahr ein digitales Remake. Was noch im Trailer nach den Tiefen des Uncanny Valley aussah, enthüllte sich im Kino schließlich als berührende Neuverfilmung, die nicht nur erzählerisch eigene Akzente setzte, sondern auch visuell beeindruckte. Der Menschenjunge Mogli (Neel Sethi) wächst im Dschungel auf, unter der Obhut des Panthers Baghira (Stimme: Ben Kingsley). Der angsteinflößende Tiger Shir Khan (Stimme: Idris Elba) fürchtet jedoch, dass Mogli zur Gefahr für die Tiere wird, sobald er das Erwachsenenalter erreicht, und schreckt vor keinem Mittel zurück, um den Jungen zu vertreiben. Gemeinsam mit dem Bären Balu (Stimme: Bill Murray) bieten Mogli und Baghira dem Tiger die Stirn. Auch fünfzig Jahre nach der Zeichentrickverfilmung des Kinderbuch-Klassikers von Rudyard Kipling begeistert The Jungle Book (2016) – nicht zuletzt, weil es dem Film gelingt, einen ernsthafteren Ton anzuschlagen, den man in der Zeichentrickverfilmung nicht antrifft. Auch wenn damit gerade kleineren Zuschauer möglicherweise zu viel Dunkelheit zugemutet wird (selbst ich hatte aufrichtig Angst vor Shir Khan!), lohnt sich die neue Verfilmung in jedem Fall. Ab dem 18. Januar wird der Film im Katalog von Netflix verfügbar sein.


(Trailer zu The Jungle Book)

Empfehlung aus dem Katalog: Paddington

Neben The Jungle Book gehört auch Paddington (2014) zu den schönsten Animationsfilmen der letzten Jahre. Dabei dreht sich aber das Verhältnis der Bilder um: Die Hauptfigur ist nicht mehr die einzige realfilmische, sondern die einzige animierte Figur im Film. Als der Bär Paddington (Stimme: Ben Wheatley) zum ersten Mal nach London kommt, versucht er jenen Entdecker aufzutreiben, der vor Jahrzehnten seiner Bärenfamilie in Peru die englische Sprache und vor allem das Herstellen von Marmelade beibrachte. Allerdings findet er zunächst nur Unterschlupf bei Familie Brown. Vater Mr. Brown (Hugh Bonneville) ist von dem pelzigen Mitbewohner allerdings weniger begeistert als seine Frau (Sally Hawkins) und die beiden Kinder (Samuel Joslin/Madeleine Harris). Gemeinsam versuchen sie, Paddington bei seiner Suche zu helfen. Doch auch eine finstere Tierpräparatorin (Nicole Kidman) ist hinter dem seltenen Bären her. Paddington ist der ideale Film für die Weihnachtszeit und nicht zufällig seit Dezember im Programm von Netflix. Aber auch für einen kalten Januar-Sonntag und überhaupt für jede Lebenslage eignet sich der Film. Die wunderschöne Geschichte erzählt von der Bedeutung der Freundschaft und Nächstenliebe, ohne dabei den Gefahren des Schmalzigen zu verfallen. Es ist ganz einfach unmöglich, den liebenswertesten Bären der Welt mit diesem Film nicht ins Herz zu schließen.

Empfehlung aus dem Katalog: Macbeth

Shakespeare geht immer, wenn auch nicht jede Aktualisierung neue Akzente setzen kann. Gerade dies gelingt jedoch Justin Kurzels Macbeth-Verfilmung, die 2015 mit Michael Fassbender und Marion Cotillard in den Hauptrollen die schottische Tragödie in die Bilder einer brachialen, gewaltigen Natur verlegt. Dabei schafft es Kurzels Macbeth vor allem, Shakespeares Text mutig kinematographisch zu denken: Macbeth (Michael Fassbender) erfährt in einer Prophezeiung, dass ihm eine Zukunft als schottischer König bevorsteht. Getrieben von seiner Frau (Marion Cotillard) hilft er dem Schicksal dabei allerdings ein wenig auf die Sprünge und ermordet König Duncan (David Thewlis). Brutal sichert Macbeth seine Macht und immer tiefer versinkt das Herrscherpaar in Schuld und Wahn. Eine nach wie vor packende Erzählung, die sich hier auf eine eigene filmische Art und Weise entfaltet und seit Dezember im Programm von Netflix zu sehen ist.

 

MUBI

Marina Abramović: The Artist is Present

Marina Abramović ist eine der bedeutendsten Performance-Künstlerinnen der Gegenwart. In ihrer langen Karriere drängte sie immer wieder an den Rand körperlicher Grenzen und ihrem beeindruckenden Werk widmete das New Yorker Museum of Modern Art 2010 eine umfassende Retrospektive. Matthew Akers’ und Jeff Dupres Dokumentarfilm Marina Abramović: The Artist is Present (2012) begleitet die Künstlerin bei den Vorbereitungen der Retrospektive, deren Teil auch ihre Performance The Artist is Present war: Während der Öffnungszeit saß Abramović für insgesamt über 700 Stunden auf einem Stuhl, ihr gegenüber konnten Besucher der Ausstellung Platz nehmen. Die beeindruckende Künstlerin, deren Performances und Installationen sich immer auch mit den Möglichkeiten und Grenzen der Kunst auseinandersetzen, gewährt in diesem Dokumentarfilm interessante Einblicke in ihr Schaffen und Reflektieren. Bis zum 14. Januar ist der Film im Programm von MUBI zu sehen.


(Trailer zu Marina Abramović: The Artist is Present)

(Lars Dolkemeyer)


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